Die deutschen Haupt- und Landgestüte stammen aus der Zeit, als Pferde für Transport, Landwirtschaft und Militär unverzichtbar waren. Die großen Herrscher Europas förderten die Pferdezucht nach Kräften, denn die Qualität der Pferde entschied über Sieg oder Niederlage im Krieg, oft sogar über Leben und Tod. Zur Verbesserung der Landespferdezuchten gründeten die Landesherren Landgestüte, die den privaten Züchtern Hengste von guter Qualität zu moderaten Preisen anboten. Im Gegensatz zu diesen „Hengstdepots“ verfügen die Hauptgestüte auch über eigene Stutenherden und Fohlenaufzucht mit dem Ziel, wiederum Hengste für die Landeszucht hervorzubringen.
Gemeinsam meisterten die Landgestüte kriegerische Auseinandersetzungen, wirtschaftliche Krisen und gesellschaftliche Umbrüche. Die Motorisierung von Landwirtschaft und Verkehr führte zu einschneidenden Veränderungen. Ihrer Existenzgrundlage beraubt mussten selbst traditionsreiche Zuchtstätten ihre Tore schließen. Den verbliebenen Gestüten gelang die Umzüchtung von schweren Warmblütern zu modernen Sport- und Freizeitpferden. Heute sind die Landgestüte
lebendige Kulturerbestätten, die sich unter Beibehaltung ihrer traditionellen Werte weiterentwickeln, ohne dabei ihren gewachsenen Charakter zu verlieren.